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Die Menschen des Mutterhauses

soziale Beziehungen, rituelle Prozesse und lokales Christentum bei den Karow in Meghalaya, Indien

Die vorliegende Dissertation basiert auf 18 Monaten ethnologischer Feldforschung bei den Karow im indischen Unionsstaat Meghalaya. Die Karow sind Teil der indigenen tribalen Bevölkerung Indiens. Sie sprechen eine Mon-Khmer-Sprache und gehören zu den Subgruppen der Khasi. Die Arbeit beleuchtet das Verwandtschafts- und Sozialsystem der matrilinear organisierten Karow, wobei die indigene Kategorie des „Hauses“ und die geschlechtssymmetrischen Beziehungen besondere Beachtung finden. Die Analyse der lokalen Verwandtschaftskonzeptionen und das Herausarbeiten der zentralen gesellschaftlichen Werte und Ideen ermöglichen es, die lange verbreitete Annahme zu kritisieren, dass matrilineare Gesellschaften instabil und konfliktdurchdrungen seien. Stattdessen wird aufgezeigt, dass die Werte der Hauseinheit und der Hausharmonie bei den Karow von großer Bedeutung in der Konstruktion von Sozialität sind. Die soziale Organisation wird im direkten Zusammenhang mit den Ritualen betrachtet, durch die die gesellschaftlichen Werte vermittelt werden. Das sozio-rituelle System wird wiederum mit Bezug auf die indigene Kosmologie beschrieben, in die dieses System eingebettet ist. Ein weiterer Schwerpunkt ergibt sich aus der Frage, wie sich die kosmologischen Ideen und die sozio-rituellen Praktiken durch den Einfluss der christlichen Missionierung verändert haben. Analysiert werden die Motive der Konversion, die Verschränkungen lokaler und christlicher Werte sowie der soziale und rituelle Wandel, der durch die Christianisierung ausgelöst wurde. Es wird gezeigt, wie die Indigenisierung der christlichen Religion ein spezifisches Karow-Christentum entstehen lässt, das durch die lokalen Werte und Ideen geprägt ist.

Titel: Die Menschen des Mutterhauses
Untertitel: soziale Beziehungen, rituelle Prozesse und lokales Christentum bei den Karow in Meghalaya, Indien
Verfasser: Fuhrmann, Berit GND
Gutachter: Platenkamp, Josephus D. M.
Organisation: FB 08: Geschichte, Philosophie
Dokumenttyp: Dissertation/Habilitation
Medientyp: Text
Erscheinungsdatum: 2013
Publikation in MIAMI: 21.05.2015
Datum der letzten Änderung: 09.02.2016
Schlagwörter: Meghalaya; Khasi; Matrilinearität; Ritual; Konversion; lokales Christentum; sozialer Wandel; Ethnologie
Fachgebiete: Bräuche, Etikette, Folklore; Christliche Konfessionen; Sozialwissenschaften, Soziologie, Anthropologie
Sprache: Deutsch
Format: PDF-Dokument
URN: urn:nbn:de:hbz:6-79259620861
Permalink: https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:hbz:6-79259620861
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Inhalt:
Kartenverzeichnis ..... vi
Bilderverzeichnis ..... vi
Danksagung ..... vii
Zur Sprache ..... ix
1 EINLEITUNG ..... 1
1.1 Der ethnographische Kontext ..... 1
1.2 Der theoretische Rahmen ..... 18
1.3 Der Aufbau der Arbeit ..... 38
2 MYTHISCHE BEZIEHUNGEN, RITUELLE PROZESSE UND DIE SOZIOKOSMISCHE ORDNUNG ..... 47
2.1 Die Niederlegung der moralischen Ordnung ..... 47
2.2 Die Transgression der moralischen Ordnung ..... 49
Das Prinzip der Polarität ..... 50
Das Prinzip der Ursache ..... 52
2.3 Die Konstituierung der „anderen Welt“ ..... 53
Die Götter ..... 53
Die Toten ..... 57
Die Geister ..... 62
2.4 Die Brücke zur „anderen Welt“ ..... 65
2.5 Der rituelle Prozess ..... 69
„Die Ursache erfragen“ ..... 70
„Die Ursache ablegen“ ..... 72
„Die Ursache betrachten“ ..... 74
2.6 Rituelle Spezialisten, Heiler und Hausopferer ..... 77
3 KONTINUIERLICHE UND DISKONTINUIERLICHE BEZIEHUNGEN: MISSIONIERUNG, KONVERSION UND DAS KAROW-CHRISTENTUM ..... 83
3.1 Der Prozess der Missionierung ..... 83
3.2 Das Phänomen der Konversion ..... 87
Der pragmatische Aspekt der Konversion ..... 89
Der soziale Aspekt der Konversion ..... 91
3.3 Die Ordnung der Ahnen und das Karow-Christentum ..... 94
Der „tote Gott“ und der „lebendige Gott“ ..... 97
Die Umschließung des christlichen Gotts ..... 98
Die Bedeutung des christlichen Gotts ..... 99
3.4 Die Kritik am Tieropfer ..... 102
Rituelle Diskontinuitäten ..... 104
Rituelle Kontinuitäten ..... 108
3.5 Die Position der rituellen Spezialisten ..... 111
3.6 Das Phänomen der Reversion ..... 118
3.7 Das System der Hauskirchen ..... 120
4 URSPRUNGSBEZIEHUNGEN, GEMEINSCHAFTSBILDENDE PROZESSE UND DIE TERRITORIALE ORDNUNG ..... 123
4.1 Die Idee von Gemeinschaft ..... 123
4.2 Das sozialisierte Land ..... 126
Die ersten und die späteren Siedler ..... 128
Die Konstituierung der Domänen ..... 130
Die Konstituierung der Dörfer ..... 135
4.3 Das nicht-sozialisierte Land ..... 137
4.4 Die Opposition der Landkategorien ..... 142
4.5 Das Domänenritual und seine Veränderungen ..... 145
Das Domänenritual vor der Christianisierung ..... 146
Das Domänenritual nach der Christianisierung ..... 150
4.6 Die Position der Domänenoffiziellen ..... 155
5 DIE ORDNUNG DES MUTTERHAUSES: VERWANDTSCHAFTS- UND GESCHLECHTERBEZIEHUNGEN UND DER WERT DER HAUSEINHEIT ..... 161
5.1 Das Universum der Verwandtschaft ..... 161
5.2 Die Beziehungen zwischen Uterinen ..... 163
Die rituellen Orte der kur-Gruppen ..... 165
Die Unterteilung in kpoh-Gruppen ..... 170
Die Unterteilung in jing-Gruppen ..... 171
5.3 Die Beziehungen zwischen Affinen ..... 174
5.4 Das Haus als Herdgruppe ..... 182
Die Mutter als Hüterin des Hauses ..... 184
Der Vater als Dachpfosten des Hauses ..... 191
Die Aufgaben des Mutterbruders ..... 195
Die Kinder aus einer Wurzel ..... 199
5.5 Das Haus als lokale Gruppe ..... 202
6 DIE KONSTITUIERUNG DER PERSON UND DIE RITUALE DES LEBENSZYKLUS ..... 207
6.1 Die Konstituierung der Person ..... 207
Die Gestalt ..... 207
Der Körper ..... 210
Der Atem ..... 211
Der Name ..... 212
Der Schatten ..... 215
6.2 Das Haus betreten: die Geburt und die Integration in die Welt ..... 217
„Den Ahnennamen bestimmen“ ..... 218
„Den Ahnennamen verankern“ ..... 221
„Den Schatten härten“ ..... 224
„Das Zeichen geben“ ..... 228
6.3 Der Heiratsprozess und die Verbindung zweier Häuser ..... 236
„Zu den Mädchen gehen“ ..... 238
„Zu den Eltern der Frau gehen“ ..... 240
„Zu den Eltern des Mannes gehen“ ..... 242
„Zu den Mutterbrüdern gehen“ ..... 243
„Über die Ehepartner sprechen“ ..... 244
6.4 Das Haus verlassen: der Tod und der Weg in die „andere Welt“ ..... 250
„Der Tag des Todes“ ..... 256
„Der Tag des Holzschlagens“ ..... 260
„Der Tag der Totenverbrennung“ ..... 263
„Die Dinge geben“ ..... 270
7 SCHLUSS ..... 275
Bibliographie ..... 287
Glossar ..... 301
Lebenslauf ..... 311