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Eine didaktisch-erkenntnistheoretische Analyse der naturwissenschaftlichen Zulässigkeit von Theorien über Evolutionsmechanismen (wie der Selektionstheorie von DARWIN)

Zum Bildungswert des Biologieunterrichts gehört es, die jeweils angewendeten Paradigmen aufzudecken. Wichtig ist das Hinterfragen der Konsistenz der Aussagen mit den Paradigmen. Evolution (als Stammesgeschichte oder Phylogenese) ist Ausdruck der Geschichtlichkeitder Organismen. Dieses Paradigma fordert den Ausgang von Zeitzeugen, den Fossilien; maßgeblich ist die Rekonstruktion der Abläufe. Nicht verträglich mit diesem Paradigmasind Aussagen über Mechanismen (wie die Selektionstheorie von DARWIN). Das ist auch schon direkt daran zu erkennen, dass die für eine Kausalanalyse notwendige Spezifizierung der Ausgangsbedingungen an der Lückenhaftigkeit der Überlieferungen scheitert. Sprachlich sollte der Begriff Evolutionstheorie auf Aussagen über Evolutionsmechanismen beschränktund der Metaphysik (hier als Naturphilosophie) zugewiesen werden. Der Begriff Evolutionstheorie in diesem Sinne ist scharf zu trennen von den (naturwissenschaftlichen) Aussagen über das Phänomen der Evolution (als Langzeit-Prozess). Diese beginnt mit der Artaufspaltung, ein Langzeit-Prozess (zumindest bei Säugetieren und Vögeln). Kausalanalysen zu aktuellen innerartlichen Veränderungen (wie die Fitness-Theorie der Öko-Ethologie) stehen im Kontext aktueller, experimentell zugänglicher funktionaler Zusammenhänge, gehören also zu einem grundlegend anderen Paradigma als die Evolution. Sie sind daher begrifflich von der Evolution zu trennen (z.B. der Ökologie zuzuweisen). Hierher gehört auch die Züchtung als Großexperiment der Menschheit zur Manipulation innerartlicher Variabilität. Vor diesem Hintergrund werden ein aktuelles Handbuch zur Evolution im Biologieunterricht und die Richtlinien und Stoffpläne SII NRW (1999) diskutiert und Vorschläge zur konsistenten, anschaulichen Behandlung der Evolution und ihres Beginns, der Artaufspaltung, vorgelegt. Abschließend wird die Plausibilität der (naturwissenschaftlich unzulässigen) Theorien zu Evolutionsmechanismen als Ursache für ihre breite Akzeptanz angeführt. Sie beruht auf der Extrapolation von Mechanismen aktueller innerartlicher Variabilität (z.B. als Anpassung an Umweltbedingungen) auf das Langzeit-Phänomen Evolution ohne Sensibilität für die Grenzen der Zulässigkeit. Hier ist also ein Umdenken (gegen Lehrmeinungen im Fach) not-wendig. Die Verpflichtung der Biologiedidaktik zu erkenntnis-theoretischer Strenge ist angesichts des Bildungsanspruches der Schule deutlich schärfer als in der akademischen Lehre und Forschung. Die Diskussion dazu soll mit diesem Beitrag angeregt werden.

Titel: Eine didaktisch-erkenntnistheoretische Analyse der naturwissenschaftlichen Zulässigkeit von Theorien über Evolutionsmechanismen (wie der Selektionstheorie von DARWIN)
Verfasser: Schmidt, Eberhard G.
Organisation: FB 13: Biologie
Dokumenttyp: Artikel
Medientyp: Text
Erscheinungsdatum: 2003
Publikation in MIAMI: 13.04.2005
Datum der letzten Änderung: 16.09.2015
Zeitschrift/Periodikum: Berichte des Institutes für Didaktik der Biologie / 12 (2003), S. 89 - 104
Schlagwörter: Evolution der Organismen; Evolutionstheorien; Evolutionsmechanismen; Artbegriff; Zoo/Museum; Kreationismus
Fachgebiete: Biowissenschaften; Biologie
Sprache: Deutsch
Format: PDF-Dokument
URN: urn:nbn:de:hbz:6-85659522467
Permalink: https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:hbz:6-85659522467
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