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Exodus 20,5 und Johannes 9

Vom direkt zum indirekt strafenden Gott

Im Vergleich von Ex 20,5 und dem alttestamentlichen Diskurs auf der einen Seite mit Joh 9 auf der anderen Seite kann Folgendes festgestellt werden:  1. Die Vorstellung der Generationen übergreifenden Bestrafung durch Gott, wie sie in Ex 20,5 und anderen alttestamentlichen Stellen vorliegt, wird in Joh 9 vorausgesetzt.  2. Sie wird in Joh 9 und im Johannesevangelium im Allgemeinen, anders als bei manchen kritischen Stimmen im Alten Testament, auch nicht abgelehnt. Die Gerechtigkeit Gottes steht also nicht in Frage bzw. wird nicht problematisiert und ist auch nicht Thema von Joh 9. 3. Generationen übergreifende Strafe kommt nur bei Götzendienst vor. Durch die Aufnahme dieses Topos in Joh 9,2 wird indirekt das Thema Götzendienst eingeführt, das im weiteren Verlauf von Joh 9 ausgearbeitet wird.  4. Ein anthropopathischer Gott wie in Ex 20,2–6 wird in Joh 9 nicht sichtbar und passt auch nicht zur johanneischen Theologie, die sich sehr viel schematischer und abstrakter gestaltet.  5. Die Strafen für Götzendienst, wenn man ihn auch in Joh 9 als Hintergrund voraussetzen darf, scheinen ähnlich hart wie im Alten Testament zu sein. Durch das Nichtanerkennen der göttlichen Herkunft Jesu verurteilen die Menschen sich selbst. In der johanneischen Theologie ist dies gleichbedeutend mit dem Verlust des Lebens. Das ist die dunkle Seite des „Lichtes der Welt“.

A comparison of Exod 20:5 and the Old Testament discourse on the one hand and John 9 on the other yields the following:  1. John 9 presupposes the idea of a God who punishes more than one generation as pictured in Exod 20:5 and other Old Testament texts.  2. This idea is not repudiated in John 9 and the gospel of John in general as opposed to some critical voices in the Old Testament itself. Justice of God is, thus, not doubted and is not the object of John 9 in general.  3. God punishing more than one generation is only described as a punishment of idolatry in the Old Testament. By adopting this punishment, John 9 presupposes the theme of idolatry.  4. An anthropopathic God, as in Exod 20:2-6, does not become visible in John 9. Moreover, it does not fit Johannine theology.  5. The punishments for idolatry, if this is the background of John 9, seems to be equally severe as in the Old Testament. In not acknowledging Jesus as Son of God, the people judge themselves. In the Johannine theology this is tantamount with losing life. This is the dark side of the "Light of the World."

Titel: Exodus 20,5 und Johannes 9
Untertitel: Vom direkt zum indirekt strafenden Gott
Verfasser: Vos , J. Cornelis de
Dokumenttyp: Teil eines Buchs
Medientyp: Text
Erscheinungsdatum: 2013
Publikation in MIAMI: 27.10.2017
Datum der letzten Änderung: 27.10.2017
Quelle: Dietrich, Manfried; Dupré, Wilhelm; Häußling, Ansgar; Schmitt, Rüdiger (Hrsg.): Die "dunklen Seiten" Gottes. Mitteilungen für Anthropologie und Religionsgeschichte, 21. Münster : Ugarit-Verlag, 2013, S. 95–112
Schlagwörter: Ex 20,5; Joh 9; Gott im Alten Testament; Gott im Neuen Testament; Gott und Gewalt; Exzellenzcluster Religion und Politik
Exod 20:5; John 9; God in the Old Testament; God in the New Testament; God and violence; Cluster of Excellence Religion and Politics
Fachgebiete: Bibel
Sprache: Deutsch
Anmerkungen: Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Ugarit-Verlags.
Format: PDF-Dokument
ISBN: 978-3-86835-073-9
URN: urn:nbn:de:hbz:6-60269573652
Permalink: https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:hbz:6-60269573652
ISSN: 0939-9186
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