Erweiterte Suche

Die kleine Welt

Hermann Lotzes Mikrokosmos: Die Anfänge der Philosophie des Geistes im Kontext des Materialismusstreits

Der dreibändige Mikrokosmos, 1856–1864 mit dem Untertitel »Versuch einer Anthropologie« erstmal erschienen, gehörte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu den meistgelesenen philosophischen Werken. Sein Verfasser, der Mediziner und Philosoph Rudolph Hermann Lotze (1817–1881), entwirft darin während der Dekade des Materialismusstreits eine Position, die einerseits den Erkenntnissen der Naturwissenschaft oberste Priorität einräumt, andererseits aber aufzeigt, dass die Konstanten der althergebrachten Metaphysik – die Seele, Gott, ein höherer Sinn- und Zweckzusammenhang – durch sie nicht hinfällig werden. Lotzes Bestreben nach grundlegender Analyse der Divergenzen »zwischen den Bedürfnissen des Gemütes und den Ergebnissen menschlicher Wissenschaft« führt dazu, dass er erstmalig die Leitfrage der modernen Philosophie des Geistes stellt: Wenn es empirisch ergründbare materielle Bedingungen sind, durch die subjektives Erleben überhaupt möglich wird, wie lässt sich dann das wechselseitige Verhältnis dieser beiden Größen sinnvoll bestimmen? Im Mikrokosmos findet sich hierzu eine Reihe von Argumenten, die die Körper-Geist-Debatten des 20. Jahrhunderts in wesentlichen Punkten antizipieren und mit denen sich auch heute noch deutlich machen lässt, wieso die Schlichtheit des naturalistischen Monismus schwerlich mit der Komplexität des »Leib-Seele-Problems« in Einklang zu bringen ist.

Titel: Die kleine Welt
Untertitel: Hermann Lotzes Mikrokosmos: Die Anfänge der Philosophie des Geistes im Kontext des Materialismusstreits
Verfasser: Baab, Florian GND
Dokumenttyp: Buch
Medientyp: Text
Erscheinungsdatum: Oktober 2018
Publikation in MIAMI: 29.10.2018
Datum der letzten Änderung: 29.10.2018
Quelle: Baab, Florian: Die kleine Welt. Hermann Lotzes Mikrokosmos: Die Anfänge der Philosophie des Geistes im Kontext des Materialismusstreits. (Paradeigmata ; Bd. 37) Felix Meiner Verlag : Hamburg, 2018, ISBN 978-3-7873-3571-8, 306 S.
Verlag/Hrsg.: Felix Meiner Verlag
Fachgebiete: Religionsphilosophie, Religionstheorie
Lizenz: CC BY-NC-ND 4.0
Sprache: Deutsch
Förderung: Finanziert durch den Open-Access-Publikationsfonds 2018 der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU Münster).
Format: PDF-Dokument
ISBN: 978-3-7873-3571-8
978-3-7873-3572-5
URN: urn:nbn:de:hbz:6-86199627774
Permalink: https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:hbz:6-86199627774
DOI: 10.28937/978-3-7873-3572-5
Onlinezugriff:
Inhalt:
Vorwort ..... 1
Einleitung ..... 3
Philosophie des Geistes – ein Synonym für naturalistischen Monismus? ..... 3
Lotze, Philosoph des Übergangs: Anmerkungen zur Rezeptionsgeschichte und Überblick über den Forschungsstand ..... 11
Die Anfänge der Philosophie des Geistes: Interesse und Struktur der Arbeit ..... 21
I. Die Seelenlehre des Mikrokosmos ..... 25
A. Grundlegende Bemerkungen zu Art und Aufbau des Werkes ..... 25
B. Der Mikrokosmos und die »Seelenfrage« ..... 30
C. Kapitelweise Darstellung ..... 35
1. Einleitung des Mikrokosmos: Wissenschaft und »Gemüt« ..... 35
2. Erstes Buch, Kap. 1–5: Der Wandel des Naturverständnisses als Herausforderung für die Anthropologie ..... 40
3. Zweites Buch, Kap. 1: Einheit der Natur, Einheit des Bewusstseins ..... 43
4. Zweites Buch, Kap. 2: Das unzugängliche Wesen der Seele ..... 51
5. Zweites Buch, Kap. 5: Apriorität der Seele ..... 55
6. Drittes Buch, Kap. 1 : Generelle Probleme der Frage nach der Leib-Seele-Relation ..... 59
7. Drittes Buch, Kap. 2: Der Ort der Seele ..... 67
8. Drittes Buch, Kap. 4: Die Seele als Monade unter Monaden ..... 72
9. Drittes Buch, Kap. 5: Gott – Grund der Seele und der Welt ..... 78
10. Schluss des ersten Bandes: Der Mensch – die kleine Welt ..... 84
11. Viertes Buch, Kap. 4 & 5: Sonderstellung des Menschen, Einheit des Menschengeschlechts, Fußnoten zu Darwin ..... 86
12. Fünftes Buch, Kap. 1: Die Negation der »Seelensubstanz« ..... 92
13. Fünftes Buch, Kap. 3: Kein Denken ohne Sprache ..... 98
14. Fünftes Buch, Kap. 4: Wahrheit und Irrtum durch Verallgemeinerung ..... 103
15. Fünftes Buch, Kap. 5: Lust und Wert ..... 111
16. Sechstes Buch, Kap. 1: Argumente gegen einen Mystizismus der Natur ..... 118
17. Siebtes Buch, Kap. 2: Die Negation des »Weltgeistes« ..... 120
18. Achtes Buch, Kap. 1: Wahrheiten gelten, Dinge sind ..... 126
19. Neuntes Buch, Kap. 1: Relationale Ontologie ..... 136
20. Neuntes Buch, Kap. 2: Erkenntnis als relationaler Akt ..... 141
21. Neuntes Buch, Kap. 3: Das Wesen aller Realität ..... 147
22. Neuntes Buch, Kap. 4: Gott – Grund und Urbild der Seele ..... 153
23. Neuntes Buch, Kap. 5: Omnia vincit amor ..... 162
24. Schluss: Prosa des Denkens, Poesie der Welt ..... 166
D. Resümee ..... 167
1. Die Seelenlehre des Mikrokosmos: Ein inhaltlicher Überblick ..... 168
2. Systematischer Ertrag: Lotzes Seelenlehre und ihre Leitbegriffe ..... 176
2.1 Einheit ..... 177
2.2 Empfinden / Fühlen / Erleben ..... 178
2.3 Denken ..... 179
2.4 Wert ..... 180
2.5 Mechanismus ..... 180
2.6 Okkasionalismus ..... 181
2.7 Wirken / Beziehungen ..... 182
2.8 Gott ..... 183
3. Fazit: Perspektivismus des Geistes ..... 185
II. Lotzes Seelenlehre im Kontext der Zeit ..... 189
A. Zur Rolle Lotzes im Materialismusstreit ..... 189
B. Lotze und Heinrich Czolbe: Probleme des »Sensualismus« ..... 194
1. Erster Streit: Czolbes »Neue Darstellung des Sensualismus« und Lotzes Rezension ..... 197
1.1 Die Unmöglichkeit einer Elimination des »Übersinnlichen« ..... 198
1.2 Gehirntätigkeit ohne Subjekt, Bewusstsein ohne Einheit? ..... 200
1.3 Weitere Fragen: Willensfreiheit, Atome, Anschaulichkeit ..... 206
2. Zweiter Streit: Czolbes »Entstehung des Selbstbewusstseins« und Lotzes Rezension ..... 207
3. Czolbes Bekehrung: »Die Grenzen und der Ursprung der menschlichen Erkenntnis« ..... 213
C. Lotze und Immanuel Hermann Fichte: Probleme des späten Idealismus ..... 218
1. Fichtes Anthropologie – vom Idealismus zur »Anthroposophie« ..... 220
1.1 Der Mensch als Genius ..... 221
1.2 Fichtes erster Vorwurf: »Verleiblichung« der Seele in der Materie statt Ontologie eines »Nebeneinanders« beider ..... 223
1.3 Fichtes zweiter Vorwurf: Leben als »Seelenverrichtung« statt als Effekt eines allumfassenden »Naturgesetzes« ..... 229
1.4 Vom Idealismus zum Manichäismus: Anthroposophie als Theosophie ..... 232
2. Lotzes Streitschrift gegen Fichte: »Und die Hasenscharten, verehrtester Freund?« ..... 234
2.1 Erster Vorwurf: Mangelnde Differenzierung zwischen metaphysischer und empirischer Naturbetrachtung ..... 234
2.2 Zweiter Vorwurf: Konkrete Fehlinterpretationen – Mechanismus, Okkasionalismus, Naturgesetze ..... 236
2.3 Dritter Vorwurf: Idealisierung der gegebenen Wirklichkeit und Ausblenden der Theodizee ..... 238
2.4 Vierter Vorwurf: Übersteigerter Erkenntnisoptimismus und universale Geltungsansprüche ..... 241
2.5 Fünfter Vorwurf: Eigener Fall in einen Dualismus von idealisierter Seele und unwerter Materie ..... 243
2.6 Eine schwache Apologie: Zur Lokalisation der Seele ..... 246
3. Fichtes Schrift »Zur Seelenfrage« und Lotzes Rezension: Ein Ende ohne Bekehrungen ..... 247
D. Lotze und Gustav Theodor Fechner: Probleme eines Gleichgesinnten ..... 251
1. Zur Grundfrage: »Seltsame Täuschung, sagte ich mir.« ..... 251
2. Allbeseelung: Hyazinthen, Sterne, Fliegenpilze ..... 259
3. Seelenfortdauer: Den Materialismus mit eigenen Waffen schlagen? ..... 263
4. »Synechologie«: Pluralität oder Einheit der Seele? ..... 265
5. Gott: Eine Systematik des Höchsten? ..... 269
6. Resümee: Was können wir wissen? ..... 273
E. Fazit: »Das Wesen der Dinge besteht nicht in Gedanken« ..... 276
Kurzer Epilog: Das Subjekt als Grenze des naturalistischen Monismus ..... 283
Literaturverzeichnis ..... 285
Personenregister ..... 297