Open Access
Im Frühjahr 2012 hat das Rektorat eine Open Access-Erklärung für die WWU
beschlossen. Darin ermutigt und unterstützt die Westfälische Wilhelms-Universität ihre Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die Ergebnisse ihrer Forschungsarbeit frei zugänglich
zu machen. Zudem hat die Universität die Berliner Erklärung über den offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen
unterzeichnet. Damit setzt sie sich für die Stärkung einer nachhaltigen Wissenschaftskommunikation im Sinne von Open Access ein.
Was ist Open Access?
Unter Open Access versteht man den freien Zugang zu wissenschaftlichen Informationen im Internet. Das bedeutet, daß jeder Interessierte weltweit kostenlos auf Fachliteratur und Materialien zugreifen können soll.
Auslöser für die internationale Bewegung, zu der sich Open Access inzwischen entwickelt hat, sind vor allem Entwicklungen im Zeitschriftenwesen in den letzten Jahren: Aufgrund stark steigender Kosten sind viele Bibliotheken gezwungen, Abonnements zu kündigen und somit die Möglichkeiten ihrer Literaturversorgung stark einschränken zu müssen.
Zudem wächst die Verärgerung darüber, dass Ergebnisse von Forschungen, die mit Steuergeldern finanziert wurden, nach ihrer Veröffentlichung - wieder mit Steuergeldern - "zurückgekauft" werden mussten.
Unser Flyer "Open Access: Idee, Möglichkeiten, Nutzung" gibt weitere Informationen zum Thema.
Bekenntnis zu Open Access: die Berliner Erklärung
Im Jahr 2003 haben sich führende Wissenschaftsorganisationen Deutschlands (die Max-Planck-Gesellschaft, die Deutsche Forschungsgemeinschaft, die Hochschulrektorenkonferenz, der Wissenschaftsrat u.a.) dazu verpflichtet, das Prinzip des "offenen Zugangs zu wissenschaftlichem Wissen" an den deutschen Hochschulen zu etablieren.
Die daraus resultierende "Berliner Erklärung" stellt folgende Forderungen auf:
- Autoren und Rechteinhaber sollen allen Nutzern das freie, weltweite Zugangsrecht zu ihren Veröffentlichungen gewähren.
Neben wissenschaftlichen Forschungsergebnissen sind auch Ursprungsdaten, Metadaten, Quellenmaterial sowie digitale Darstellungen von Bild- und Grafik-Material gemeint.
- Kulturelle Einrichtungen sollen angeregt werden, den offenen Zugang zu ihren Ressourcen zu fördern.
Hochschulen sollen zudem ihre Wissenschaftler explizit auffordern, nach Möglichkeit vor allem in Open Access-Zeitschriften zu veröffentlichen und von anderweitig veröffentlichten Beiträgen eine Kopie in Open Access-Systemen abzulegen.
Den Anstoß zur Berliner Erklärung gab die Erklärung der "Budapest Open Access Initiative" aus dem Jahr 2002, und auch die im Juni 2005
veröffentlichte Wiener Erklärung, die 10 Thesen zur Informationsfreiheit aufstellt, spricht sich für die Nutzung von Open Access aus.
Welche Vorteile bietet Open Access?
- für Autoren und Herausgeber: Sie müssen keine lange Wartezeiten zwischen Einreichung Ihrer Dokumente und Erscheinen
des gedruckten Werkes mehr hinnehmen. Dadurch werden Ihre Forschungsergebnisse schneller bekannt. Zudem sind sie effizienter nutzbar, da sie für Such- und
Abfragedokumente einfacher zu finden sind. Es erwartet Sie eine größere potentielle Leserschaft als bei zugangsbeschränkten Publikationen, und Open Access-Artikel
werden oft um einiges häufiger zitiert als kostenpflichtige Werke. Dadurch erhöht sich auch Ihr persönlicher Impact-Faktor.
- für Leser: Sie haben einen kostenfreien und schnellen Zugang zu der Literatur, die Sie für Ihre Forschung benötigen. Bei Open Access-Literatur gestatten die Autoren oder Herausgeber in der Regel die
Speicherung der Datei auf dem eigenen Rechner und die Herstellung von Kopien für den eigenen Gebrauch. Das vermeidet Verzögerungen durch eventuell nötige Fernleihen oder Kosten durch teure Kopien.
Open Access in der Praxis: Zeitschriften und Dokumentenserver
Inzwischen haben sich zwei große Bereiche herausgebildet, in denen die Open Access-Idee umgesetzt wird: Open Access-Zeitschriften (Golden Road - Goldener Weg) und die Selbstarchivierung (Green Road - Grüner Weg) von Dokumenten.
Golden Road
Die Veröffentlichungsbedingungen von Open Access-Zeitschriften gewährleisten, dass der Autor das vollständige Copyright an seinem Beitrag behält. Aber auch bei Open Access-Zeitschriften gibt es ein Herausgeber-Gremium,
das die wissenschaftliche Qualität der Beiträge begutachtet (Peer-Review).
Die Zahl der Open Access-Zeitschriften steigt stetig: DOAJ, ein Verzeichnis von Open Access-Zeitschriften, führt z.Zt. rund 430.000 Artikel in 5.200 Open Access-Zeitschriften auf. Eine
der bekanntesten Zeitschriften ist PLoS Biology. BioMed Central, ein Online-Verlag für die Fachgebiete Biologie und Medizin, verfügt über ein Portfolio von ca. 100 Zeitschriften,
die als elektronische Dokumente kostenfrei und öffentlich im Internet zugänglich sind. Die WWU Münster unterstützt BioMed Central durch eine institutionelle Mitgliedschaft. In Nordrhein-Westfalen hat es sich die
Initiative "Digital Peer Publishing NRW" des
Ministeriums für Forschung und Wissenschaft zur Aufgabe gemacht, die Gründung und Herausgabe von Open Access-Zeitschriften zu unterstützen.
Ein Nachteil bei der Veröffentlichung in diesen Zeitschriften ist jedoch die Tatsache, daß Autoren z.T. Veröffentlichungsgebühren zahlen müssen; bei den medizinischen und biologischen Zeitschriften von BioMed Central z.B. liegen diese Kosten zwischen ca. 300 und 1500 €. Die unter dem "Digital Peer Publishing NRW" zu findenden Zeitschriften erheben aber z.B. keine Gebühren.
Green Road Eine andere Möglichkeit, wissenschaftliche Arbeiten offen zugänglich zu machen, ist die sogenannte Selbstarchivierung: die Veröffentlichung auf persönlichen Websites oder auf Dokumentenservern. Solche Server werden von einzelnen Institutionen (z.B. Universitäten) eingerichtet. Sie bieten den
Vorteil, dass die Dateien dort gut recherchierbar zur Verfügung stehen und ihre Auffindbarkeit auch langfristig gesichert ist. Die Veröffentlichung auf solch einem Server ist meistens kostenlos.
Die Idee für solche großen Repositories geht zurück auf PrePrint-Server wie z.B. arXiv, über die Wissenschaftler v.a. an amerikanischen Hochschulen Forschungsergebnisse schon
vor ihrer Drucklegung austauschen. In den Niederlanden entstand das DARE-Archiv, in dem u.a. Veröffentlichungen der "cream of science", der wichtigsten Wissenschaftler des Landes, verzeichnet sind. DAREnet ist mittlerweile in NARCIS - National Academic Research and Collaborations Information System - integriert.
Um den Datenaustausch zwischen Dokumentservern zu organisieren und damit die Verbreitung von Open Access-Dokumenten zu unterstützen, haben die beiden Initiativen OAI (Open Archives Initiative, gegr. 1991) und SPARC
(Scholarly Publishing and Academic Resources Coalition, gegr. 1998) ein gemeinsames Datenformat ("Protocol for Metadata Harvesting", OAI-PMH) entwickelt, das von vielen Open Access-Archiven unterstützt wird.
Wenn Sie Artikel in kostenpflichtigen Zeitschriften veröffentlichen, beharren Sie in Zukunft also auf einem im Verlagsvertrag zugesicherten Recht, die Dokumente zuzüglich zur Verlagsveröffentlichung auch
selbst in digitaler Form archivieren zu können, z.B. auf eben einem solchen Dokumentenserver oder auch auf Ihrer eigenen Homepage.
Wenn Sie bislang unveröffentlichte Dokumente online anbieten und nicht wollen, dass sie ohne Ihr Einverständnis kommerziell genutzt werden, können Sie sie unter eine freie Lizenz stellen. Die Lizenzen des Creative Commons-Systems und der
NRW-Initiative Open Content sind inzwischen weit verbreitet.
Open Access in Münster: miami
Mit miami steht Ihnen ein leistungsstarker Dokumentenserver zur Verfügung, auf dem Sie digitale und multimediale Dokumente publizieren und archivieren können. Damit unterstützt die Universität
Münster nicht nur die Open Access-Idee, sondern auch innovative Ansätze zum Multimedia-Einsatz in Forschung und Lehre.
Sie können Aufsätze und Monographien bis hin zu Dissertationen und Habilitationen bei miami einstellen, aber auch Zeitschriften, Lehrmaterialien, Forschungsberichte, Videoclips usw. Zusätzlich zur digitalen Version können Autoren der Universität in der Schriftenreihe "Wissenschaftliche Schriften der WWU Münster", die von der ULB herausgegebenen wird, auch in Buchform veröffentlichen.
miami bietet Ihnen eine komfortable Recherche, eine weltweite Verfügbarkeit und eine dauerhafte Archivierung.
Bei der Publikation mit miami behalten Sie Ihre Urheberrechte: Es steht es Ihnen prinzipiell frei, Ihr Werk auch an anderer Stelle in digitaler Form oder als Druckwerk zu veröffentlichen.
Auch Publikationen, die Sie bereits an anderer Stelle veröffentlicht haben, können Sie in den meisten Fällen mit miami veröffentlichen. Viele Verlage gestatten inzwischen unter bestimmten Bedingungen die Selbstarchivierung auf Dokumentenservern. Ein
Zweitverwertungsrecht ist in der Regel dann automatisch gegeben, wenn im entsprechenden Verlagsvertrag nicht ausdrücklich die Abtretung der Rechte zur Online-Nutzung vereinbart ist bzw. der betreffende Verlag gar nicht im Bereich
Online-Publishing aktiv ist. In anderen Fällen ist eine Fristregelung üblich, in der z.B. vereinbart wird, dass der Urheber nach Ablauf eines Jahres nach der Erstpublikation sein Werk auch einem anderen Verlag bzw. dem Archivserver
seiner Hochschule zur Verfügung stellen kann.
Darüber, wie Verlage das Thema Copyright im Einzelnen handhaben, informiert das Projekt Sherpa/RoMEO (für Verlage generell und für Zeitschriften). Zudem erfahren Sie natürlich
aus Ihrem Verlagsvertrag oder bei Ihrem Verlag, welche Bedingungen für Ihre Veröffentlichung gelten.
Weitere Informationen zu diesem Thema und zum Publizieren mit miami generell erhalten Sie im «ServicePunkt Digitale Dienste».
Beachten Sie auch unsere Infoblätter:
Internationale Open Access Woche
Die Universitäts- und Landesbibliothek Münster (ULB) beteiligte sich nach 2009, 2010 und 2011 auch 2012 mit einem Infostand (Poster) an der International Open Access Week im Foyer der ULB am Krummen Timpen.
Kontakt
Dr. Stephanie Klötgen - Tel.: 0251-8325528
Dr. Viola Voß - Tel.: 0251-8325556
openaccess@uni-muenster.de
weiterführende Links
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